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Authentische regionale Köstlichkeiten auf TENERIFFA

Als Besucher der Kanaren kommt man in den Genuss vieler Sinneseindrücke. Da es hier äußerst leckere einheimische Naturprodukte zu kosten gibt, werden auch Kulinarik-Fans reich verwöhnt...

Der "Drago Milenario" - ein uralter Drachenbaum, der auf mehrere 1000 Jahre geschätzt wird... (© Foto: iStock, perszing1982)

Die Kanaren sind allesamt bekannt für ihre vielfältige Küche. Eine Besonderheit auf Teneriffa sind jedoch die Guachinches. In diesen kleinen Lokalen werden authentische regionale Köstlichkeiten serviert. Oftmals sind eine ausgediente Garage oder ein kleiner Anbau des Hauses umfunktionierte Guachinches. Hier kocht nicht selten die Abuela, die Großmutter des Hauses – und man kommt mit den Einheimischen locker ins Gespräch. Live-Musik mit spanischen Liedern und Gitarre gehört meist dazu, ebenso wie ein einfacher und süffiger Wein von der Insel.

Weinbau auf Teneriffa – eine Klasse für sich

Insgesamt gibt es auf Teneriffa fünf Weinbaugebiete; das höchste liegt auf 1.000 Metern Höhe. Die Europäer brachten bereits Ende des 15. Jahrhunderts den Wein mit und pflanzten die ersten Rebstöcke. Einige sehr alte Rebsorten sind hier zu finden. Sie haben die Jahrhunderte überdauert, da auf den Kanaren keine Rebläuse einfielen. Rot,- Rosé,- und Weißweine gibt es hier gleichermaßen; überregional bekannt ist aber vor allem der Dessertwein aus der weißen Malvasía-Traube, die im Süden angebaut wird. Im 16. und 17. Jahrhundert war dieser Wein ein absoluter Exportschlager. Die Königshäuser in Europa schätzten den goldfarbenen Tropfen über alles und kurbelten ordentlich die Wirtschaft des Eilandes an. Sogar William Shakespeare erwähnte den berühmten Wein in seinem Werk Falstaff. Rund 100 Weinkellereien gibt es heute auf der Insel; Besucher können verschiedene Führungen und Verkostungen mitmachen. Die Methoden des Anbaus variieren enorm. Dies liegt an den kontrastreichen Böden, die zum Teil extrem fruchtbar, zum Teil sehr karg sind und dadurch ganz unterschiedliche Aromen zur Entfaltung bringen. Eine wunderbare Gegend, um den lokalen Weinbauern in die Weinfässer zu blicken und den ein oder anderen Tropfen zu kosten, ist die schmucke Stadt Icod de los Vinos in der gleichnamigen Gemeinde. Der historische Ort im Nordwesten der Insel beherbergt herrliche Restaurants und Weinhandlungen. Hier können Besucher flanieren und verschiedenste edle Tropfen aus der unmittelbaren Umgebung probieren. In Icod de los Vinos befindet sich außerdem eines der Wahrzeichen Teneriffas: Der „Drago Milenario“, ein uralter Drachenbaum, dessen Alter auf mehrere Tausend Jahre geschätzt wird.

Frischer Ziegenkäse und fluffige Empanadillas

Was mundet hervorragend zu einem guten Wein? Richtig, ein hausgemachter „Queso de cabra“, frischer Ziegenkäse. Und den findet man hier in erlesener Qualität und verschiedenen Varianten. Von Hand werden die Laibe liebevoll einzeln hergestellt – vom Frischkäse bis hin zum geräucherten und gereiften Käse ist hier alles dabei. Jeder Käsehersteller hat sein eigenes Geheimrezept – mal mit Gewürzen oder Gofio bestrichene Laibe, mal mit Nüssen und Chili verfeinerte Sorten. Der Käse wird gern zum Aperitiv gereicht; auch in den typischen goldgelben Empanadillas findet er Verwendung. Die fluffigen Teigpasteten werden ebenfalls per Hand hergestellt. Oft hüten die Käsehersteller selbst ihre eigenen Ziegen. Diese übrigens freuen sich über gutes Wetter: Sie geben bei Sonne mehr Milch als an Tagen, an denen der Himmel bedeckt ist.

Süßes Gold und Runzelkartoffeln

Eine charmante Möglichkeit, die Insel kennen zu lernen, ist es, Schlemmen und Wandern miteinander zu verbinden. Wer möchte, kann zum Beispiel auf der Honigroute eine geführte Tour mitmachen. Denn der Honig ist eine weitere regionale Delikatesse. Bereits seit rund 2.000 Jahren leben Bienen auf den Kanaren, die Wildblumen bringen köstliche Honigsorten hervor. Eine besonders edle Sorte des „Miel de Tenerife“ stammt aus der Gegend des Teide, wo viele Ginsterbüsche wachsen. Hier wird extra Ginster-Honig hergestellt.

Die geführte Honigroute beginnt in Arico, einem niedlichen Ort an der Südküste. In dieser Gegend werden viele Ziegen gehalten, Weinreben und Kiefernhaine bestimmen das Landschaftsbild. In der Gegend von Arico befinden sich auch historische Bienenkörbe aus Kork und Baumstämmen. Die nächste Wanderung mit einem Guide findet im Mai 2021 statt – eine Verkostung des süßen Goldes ist selbstverständlich inklusive. Informationen dazu gibt es in der Tourist-Information im Rathaus von Arico. In den mittleren Höhenlagen gedeihen auch Kartoffeln, die hier sehr beliebt sind. Sie werden vor allem als „Papas arrugadas“ – salzige Runzelkartoffeln – zubereitet. Dazu genießt man ganz klassisch eine rote oder grüne Mojo mit viel Knoblauch und Paprika.

Rezepttipp: Mojo Verde

Mojo Verde oder Mojo picante (grüne oder rote Mojosauce) werden auf Teneriffa traditionell zu vielen Gerichten serviert – z. B. zu gegrilltem Fisch. Ein Klassiker ist Mojo Verde zu den typischen, salzigen „Papas arrugadas“, den Runzelkartoffeln. Die grüne, leckere Sauce schmeckt am besten, wenn man sie nach der Zubereitung noch etwas ziehen lässt.

Zutaten:

  • 1 kleine grüne Paprika, entkernt und in Stücke geschnitten
  • 3 - 4 Knoblauchzehen
  • 1 Bund Petersilie
  • 1 Bund Koriander
  • 70 - 80 ml Olivenöl, kalt gepresst
  • 10 ml Weißweinessig
  • Meersalz
  • 1 kleine mittelscharfe Chilischote oder etwas Chilipulver
  • 1 Bio-Zitrone

Zubereitung:

Alle Zutaten bis auf das Olivenöl und die Zitrone im Mixer fein pürieren, bis eine sämige Konsistenz entsteht. Anschließend das Olivenöl nach und nach zugeben und im Mixer auf niedrigster Stufe oder mit einem Löffel sanft unterheben. Mit Salz und Zitronensaft abschmecken.

Nachhaltigkeit wird groß geschrieben

Die traditionelle Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln auf Teneriffa sorgt neben dem exzellenten Geschmack auch für einen hervorragenden CO2-Fußabdruck. Die Landwirtschaft arbeitet in vielen Bereichen bereits biologisch, die Kleinbauern werden gefördert. Durch relativ niedrige Produktionsmengen werden keine Überschüsse hergestellt, die dann zu Verlusten führen würden. Ein heißer Tipp ist es, auf einem der bunten Bauernmärkte einzukaufen und selbst zu kochen. Man findet die Märkte meist samstags über die ganze Insel verstreut – z. B. in La Orotava oder Tacoronte. Und in der Inselhauptstadt Santa Cruz de Tenerife kann man in der Markthalle frisches Obst und Gemüse sowie andere regionale Produkte, wie z. B. Korbwaren und handgefertigte Stickereien, kaufen.  

Dass die Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen groß geschrieben wird, ist ein Markenzeichen der Insel. So beschäftigt sich beispielsweise das hier ansässige Instituto Tecnológico y de Energías Renovables (ITER, www.iter.es) mit erneuerbaren Energien. Und auf diese Weise kommen auch Urlauber auf Wunsch in den Genuss eines futuristischen Projektes: Auf einem Gelände im Süden der Insel entstand ein kleines Areal mit nachhaltigen Unterkünften, den Casas Bioclimáticas. Sie besitzen zum Teil eine recht avantgardistische Architektur und werden mit  Solarstrom und Strom aus Windrädern versorgt. Aber auch im herkömmlichen Tourismus tut sich etwas: Viele Hotels und Pensionen auf der Insel sind mittlerweile mit dem international anerkannten Ökosiegel „Travelive“ ausgezeichnet. Wer möchte, kann sich also bei einem Urlaub auf Teneriffa spielend leicht biologisch-nachhaltig ernähren – und zugleich in einer nachhaltig wirtschaftenden Unterkunft logieren!

Autor: Annette Waldow

Weitere Informationen: spain.info , webtenerife.de , hellocanaryislands.com

© Fotos: istock: DeltaOFF, Perszing1982, olindana, cegli, urf, Andreas Steidlinger, Yury Morozov, MEDITERRANEAN, leskas, ferrantraite, Zdenek Kajzr, vasantytf, Kai Vollbrecht, simonapilolla, andrea jurado gil; hellocanaryislands.com: Victor Rodriguez Castellano

17. Mai 2021

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